Wie geht Umweltschutz in Nordmazedonien?



Wie viel man mit gutem Umweltschutz erreichen kann, haben Anastassia Zverko und Dennis Chafisow
während ihres Erasmus+-Praktikums am Hydrobiologischen Institut in Ohrid in Nordmazedonien und
im Galičica-Nationalpark gesehen. Einen ganzen Monat lang waren sie dort während ihrer Ausbildung
als Umweltschutztechnische Assistenten am Friedrich-Albert-Lange-Berufskolleg Duisburg
.

Zum tiefblauen, uralten Ohrid-See fahren, Proben nehmen, im Mikrobiologie-Labor mit Bakterien in Petrischalen
Kulturen ansetzen und anschließend wissen: Die Wasserqualität stimmt. Manchmal auch: es muss etwas getan
werden, damit sie wieder stimmt. „Das war ein schönes Gefühl“, sagt die heute 21jährige Anastassia Zverko.
Denn das Wasser des Sees ist überlebenswichtig, nicht nur für die zu schützenden Ohridforellen und
Barbengründlinge, sondern auch für die Bewohner des angrenzenden Örtchens Ohrid.

Mittendrin, statt nur dabei
Bei vielen Arbeiten des Hydrobiologischen Instituts war Anastassia dabei: „Alle Einrichtungen standen uns offen,
wir haben mitgearbeitet, nicht nur zugeschaut.“ Weil die Duisburgerin neben Englisch auch Russisch spricht,
konnte sie die Mitarbeiter des Instituts auch am Infostand in der Altstadt von Ohrid unterstützen. „Da standen
wir mitten in der schönen Altstadt und haben die Bürger über die Wasserqualität informiert.“

„Auch für uns vom Institut ist der Austausch eine gute Gelegenheit, unser Wissen und unsere praktischen
Erfahrungen zum Thema Umweltschutz an junge Leute weiterzugeben, auch über die europäischen Grenzen
hinweg“, sagt Prof. Dr. Sasha Trajanov, Leiter des Instituts.

Luchse und Bären – und der „Ohrid-Tee“
Luchse und Bären hat Dennis Chafisow, der ein Jahr nach Anastassia in Orchid war, im nah gelegenen
Galičica-Nationalpark zwar nicht gesehen. „Sie verstecken sich gut“, sagt er. Dafür jedoch seltene
Pflanzenpopulationen. Seine Aufgabe war es, eine Datenbank für alle Arten des 22.000 ha großen
Nationalparks anzulegen. „Die hatte der Nationalpark zu diesem Zeitpunkt noch nicht“, so Chafisow.
Alles wurde noch auf Papier ausgedruckt, „nicht gerade umweltfreundlich“, sagt er. Dennis konnte
helfen, eine Datenbank für Biodiversität auszusuchen und anzulegen, die der Nationalpark noch
heute nutzt.

„Datenbank hört sich trocken an, war es aber nicht“, sagt der junge Mann. Als Teil eines Teams konnte
er an Expeditionen in den Nationalpark teilnehmen und miterleben, was für den Schutz einer seltenen
Pflanzenart getan wird, die auch als „Ohrid-Tee“ bekannt ist. „Obwohl es verboten ist, schleichen sich
immer wieder Leute rein und pflücken sie“, hat er erfahren. Das Expeditionsteam dokumentierte den
Bestand, was neben anderen Maßnahmen dazu beiträgt, die Pflanzen zu schützen.

Begeisterung steckt an
„Die jungen Leute waren so begeistert, als sie zurückkamen, dass sie uns alle gleich angesteckt haben“,
sagt Lisa Schlüter-Klöcker, die den Austausch im Rahmen des Erasmus+-Programms am
Friedrich-Albert-Lange-Berufskolleg in Duisburg koordiniert. Die Schule verfolgt schon seit einiger Zeit eine
Internationalisierungsstrategie. „Die Schüler schauen über den eigenen Tellerrand, lernen in der Praxis
kennen, wie andere Betriebe in Europa arbeiten“, hat Schlüter-Klöcker erfahren.

Allein ins Ausland zu gehen und sich vor Ort zurechtzufinden, sich auf Englisch zu verständigen, das erlaube
neue Erfahrungen. Mit diesen Erfahrungen sei bei allen nicht nur ein fachliches, sondern auch ein persönliches
und soziales Wachstum zu beobachten.

Zum Austauschpartner in Nordmazedonien pflegt die Schule inzwischen ein fast freundschaftliches
Verhältnis wie beide Seiten betonen. Der Austausch und das gemeinsame Lernen der jungen Leute sei
die beste Investition in unser aller Zukunft, ist Prof. Dr. Trajanov aus Ohrid sicher.

Auch für Anastassia Zverko und Dennis Chafisow hat sich die Reise nach Ohrid gelohnt. Sie hat ihr Interesse
am Umweltschutz bekräftigt und dazu geführt, dass Zverko inzwischen Biologie und Chafisow Maschinenbau,
Umwelt- und Verfahrenstechnik studieren. Zverko ergänzt: „Außerdem weiß ich jetzt sicher, dass ich meinen
Traum vom Leben und Arbeiten im Ausland wahr machen möchte. Und dass ich es kann.“

 

 

 


 


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