TalentMetropole Ruhr – das Alumni-Treffen



Die im Jahr 2019 entstandene Idee der TalentWerkstätten war es, Jugendlichen in marginalisierten Teilen des
Ruhrgebiets in den Ferien ein außerschulisches Bildungsangebot zur Talentförderung anzubieten. Geplant waren
die TalentWerkstätten als vier einwöchige Projekte in den Oster-, Sommer- und Herbstferien 2021. Die
Pandemie erschwerte die Durchführung aber zunächst erheblich. Die erste Alumni-Veranstaltung fand nun
am 19.11.2021 in Gelsenkirchen statt.

Der Projektleiter der TalentWerkstätten, Lukas Wessel, resümierte im Glückauf-Club der Gelsenkirchener
VELTINS-Arena: „Wegen der Pandemie musste die erste Veranstaltung online stattfinden. Also haben wir erstmal
Laptops besorgt, Teilnahmepakete an die Jugendlichen verschickt und uns Methoden überlegt und erprobt.“
Die drei weiteren Werkstätten konnten in Präsenz in Bergkamen, Hattingen und Duisburg stattfinden und
erreichten insgesamt 150 Jugendliche. Drei davon waren Essowavana Ggebouni, Akram Morad und Mouhammad
Moustafa aus der Klasse B2M12 des Friedrich-Albert-Lange-Berufskollegs in Duisburg, die mit ihrem
stellvertretenden Klassenlehrer Herrn Zwickler nach Gelsenkirchen gekommen waren.

Lukas Wessels Herz hängt an diesem Projekt und das wurde beim Alumni-Treffen überdeutlich. Man merkte
es nicht nur an dem von ihm präsentierten Rückblick, sondern vor allem an den Reaktionen der Jugendlichen,
die an diesem verregneten Novembermorgen den Weg nach Schalke gefunden hatten. Sie feierten ihren
Projektleiter, der kaum einen Satz beenden konnte, ohne dass geklatscht, gepfiffen und „Lukas!“-Rufe
angestimmt wurden.



Natürlich waren auch Förderer des Projekts vertreten, wie die RAG-Stiftung und das Ministerium für Kinder,
Familie, Flüchtlinge und Integration, aber die Stars des Tages waren neben Lukas Wessel die Jugendlichen
selber. Moderiert von Journalistin Damla Hekimoğlu, berichteten sie von ihren Erfahrungen aus den vier
TalentWerkstätten des vergangenen Jahres. Bedran Akcan, Aslı Gedikli, Ismail Mohamadi und Alisha Pandu
betonten alle, dass sie sich vor der Teilnahme an den Workshops nicht hätten vorstellen können, jetzt auf einer
Bühne zu stehen und frei zu sprechen. Staatssekretärin Gonca Türkeli-Dehnert fand im Gespräch mit den
Jugendlichen immer wieder bewundernde und verständnisvolle Worte und stellte sich den Fragen aus dem
Publikum.

Abgesehen davon, dass alle Jugendlichen berichteten, wie stark sie sich persönlich durch die Workshops
verändert und wie viel sie inhaltlich dazugelernt haben, fielen immer wieder zwei zentrale Begriffe:
Freundschaft und Familie. Alisha Pandu brachte es auf den Punkt, als sie erzählte, dass sie sich zuvor oft
fremd gefühlt habe. Ihre Schule sei „eher weiß“ und in der TalentWerkstatt habe sie sich sofort wohl
gefühlt und dort eine Familie gefunden: „Ich habe mich noch nie so geliebt gefühlt.“ Die Tatsache, dass
die Jugendlichen, von denen die meisten einen Migrationshintergrund haben, in den Workshops einen
Safe Space fanden, macht froh, stimmt aber auch traurig: Unsere Unterschiede wiegen immer noch
so viel schwerer als unsere Gemeinsamkeiten.

Nach der Diskussion im Plenum fanden sich die Alumni wieder zusammen in den Workshops, die sie im
letzten Jahr belegt hatten. Thematisch konnte man wählen zwischen Wirtschaft, Demokratie & Medien
und Sport & Kultur. In den drei Gruppen überlegten die Jugendlichen, was sie aus den Workshops
mitgenommen hatten und wie sie sich eine weitere Förderung vorstellen.

Denn weitergehen soll es auf jeden Fall, betonte Lukas Wessel abschließend bei der Zusammenfassung
der Ergebnisse aus den Workshops des Tages. Die Alumni wünschen sich zum Beispiel eine Begleitung
in Bezug auf Ausbildung oder Studium. Sie möchten gerne eine Universität oder ein Berufskolleg
besuchen und Berufe kennenlernen. Aber auch Museumsbesuche stehen auf der Wunschliste der
Jugendlichen.

Zum Abschluss des Alumni-Treffens konnte man noch an einer Stadionführung oder einer Lesung von
Damla Hekimoğlu und Michael Paweletz teilnehmen.

Insgesamt war die erste Alumni-Veranstaltung ein großer Erfolg. Sie spricht für die Relevanz der
TalentWerkstätten. Einziger Wehmutstropfen des Tages: Lukas Wessel gibt seinen Job als Projektleiter ab,
weil er in Zukunft beruflich in Berlin Fuß fasst. Als Trost bleibt, dass für das Jahr 2022 bereits jetzt
zehn TalentWerkstätten geplant sind – vier Alumni-Werkstätten und sechs reguläre für jeweils eine
Woche.


Julia Doppelfeld




 

 

 












 


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